Vor 450 Jahren: Erzherzog Ferdinand II reiste 1567 nach Waldkirch

Rahmenhandlung: Ein Stück Stadtgeschichte wird beim 9. Historischen Marktplatzfest lebendig – Der Erzherzog auf der Hofstaatbühne

Foto: Hubert Bleyer

Waldkirch, 23. Juli 2018
Fotos, Archivbilder: Hubert Bleyer

Der Erzherzog kommt; es wird das Jahr 1567 geschrieben. Erzherzog Ferdinand II. regiert erst seit vier Jahren als Landesfürst von Tirol und hatte in seiner „schwäbischen Vorlande“ einen Landtag in Freiburg ausgeschrieben. Mit 500 Pferden und Gefolge reiste er deshalb von Innsbruck kommend über den Schwarzwald, traf am 26. Oktober 1567 mit 10 Trompetern und einem Heerpauker in Waldkirch ein, um in der Propstei zu übernachten.

Diese geschichtliche Begebenheit ist die Vorlage und bildet den Rahmen für das Historische Marktplatzfest. Fast genau 450 Jahre später wird nun zu Ehren des Besuchs aus dem Hause Habsburg ein rauschendes Fest gefeiert. Waldkirch taucht ein in die faszinierende Welt des Mittelalters. Das kleine Städtchen am Fuße des Schwarzwaldes und der 368 m hoch thronenden Kastelburg hat keine Kosten und Mühen gescheut, um den Landesfürsten am letzten Juli-Wochenende 2018 zu empfangen.

Landesfürstliches Hoflager in Waldkirch
Erst verspätet traf der Erzherzog am 26. Oktober 1567 in Waldkirch ein. Sein Gefolge wurde in der Stadt und auf der Kastelburg untergebracht. Er selbst schlug sein landesfürstliches Hoflager in Waldkirch auf und begab sich mit seiner engeren Begleitung in die Propstei, da wo heute das Elztalmuseum steht. Der Landesfürst entschloss sich nach einigem Zögern, das zum Verkauf stehende Lehen über die Herrschaft von Schwarzenberg zu erwerben.

Zu Ehren des Erzherzogs wird vom 27.-29. Juli anno 2018 ein dreitägiges Spectaculum gegeben. Auf der arenenartig aufgebauten Tribüne auf dem Marktplatz können die Gäste und die „Edelleut“ das mittelalterliche Geschehen verfolgen.
Der Erzherzog nimmt Platz auf seiner eigens errichteten Hofstaatbühne.
Das Fest kann beginnen. Der Magistrat hat über 1.000 Teilnehmer verpflichtet. Gaukler, Feuerspucker, Schwertkämpfer und Rittersleut, Fahnenwerfer aus Italien, Spielleut, Herolde, Fanfarenspieler, Trommler. Drehleier, Dudelsack, Krummhorn oder Zinken sorgen für die musikalischen Klangpunkte.

Der historische Handwerkermarkt bietet alles vom Kettenhemdenmacher, Laternenbauer bis hin zum Bierbrauer. Die Landsknechte schlagen in der Allee ihr Quartier auf. Auf drei Aktionsbühnen wird dem Erzherzog und dem Volk ein Programmpunkt nach dem anderen geboten. Schließlich will der österreichische Landesfürst das ganze Fest inspizieren und begutachten und nicht nur auf der Hofstaatbühne verharren.

Die Familien und Kinder interessiert sicher auch der Erzherzog. Dennoch hat der Fanfarenzug Schwarzenberger Herolde speziell für die Kleinen das „Ritterturnier der Erbsengilde“ vorbereitet.

Doch wer war Erzherzog Ferdinand II, der ein Stück Stadtgeschichte schrieb und das alle drei Jahre durch den Fanfarenzug Schwarzenberger Herolde e.V. wieder auflebt?

Archivbild
Erzherzog Ferdinand II.

Erzherzog Ferdinand II. (1529-1595)

Der Mann, der durch Waldkirch zog

Erzherzog Ferdinand II. erblickte 1529 das Licht der Welt, in dem Jahr, da die Türken erstmals Wien belagerten. Mit 17 Jahren machte Ferdinand II. seine ersten militärischen Erfahrungen. Er begleitete seinen Vater im „Schmalkaldischen Krieg“ der katholischen kaiserlichen Partei gegen die Union der evangelischen Fürsten. 1547 wurde er zum kaiserlichen Statthalter in Böhmen bestellt. In Prag hielt er glanzvolle Turniere und Feste ab und gab sich der Jagd und den Tafelfreuden hin. 1556 führte er einen böhmisch-österreichischen Feldzug gegen die Türken an. Auch wenn das Ergebnis bescheiden war, es war der erste Erfolg der Habsburger gegen die als unbesiegbar geltenden Türken. Der Papst übersandte ihm geweihten Hut und Schwert als Verteidiger des Glaubens.

Besuch in der schwäbischen Vorlande

Bei der von Kaiser Ferdinand I. verfügten Teilung der Erblande unter seinen drei Söhnen erhielt Erzherzog Ferdinand II. Tirol und die „schwäbische Vorlande“. Ab 1563 regierte er als Landesfürst Tirol und damit auch die Vorlande. Seinen feierlichen Einzug in sein Erbfürstentum hielt Ferdinand im Jahre 1567. Daran schlossen sich die Erbhuldigungslandtage in seinem Fürstentum an, darunter auch in Freiburg. Auf dem Weg dahin kam er nach Waldkirch und übernachtete im Stift St. Margaretha. 1573 erließ er eine Landesordnung und eine Polizeiverordnung. Er verbesserte die schulischen Verhältnisse und kümmerte sich um die Belange der Kirche. 1583 führte er den Gregorianischen Kalender in seinen Landen ein. 1595 starb er im Alter von 68 Jahren. Mit seiner Portrait- und Waffensammlung erwarb er sich mehr Nachruhm als mit seinen politischen Schlachten und Taten. Bedingt durch seine unebenbürtige Heirat mit der bürgerlichen Philippine Welser war Erzherzog Ferdinand II. einer der weniger Habsburger, die nicht „ganz nach oben“ gekommen sind.

Zeittafel

Wie ist das Geschehen in die umfassende Geschichte von Waldkirch zu betrachten? Welches waren Meilensteine der Stadtgeschichte? Hier ein kleiner Auszug:

 918 Gründung des Klosters St. Margaretha
1100 ca. Bau der Schwarzenburg als Adelsburg der Herren von Schwarzenberg
1208 Letzte Nennung des Konrad von Schwarzenberg in einer in Akkon ausgestellten Urkunde
1215 Seine Witwe Mechthild von Hachberg verkauft den Grundbesitz in Akkon an den Deutschen Orden
1287 Johann und Wilhelm von Schwarzenberg vergeben die Badstubengerechtigkeit zu Waldkirch;
Erste Nennung der Schnabelburger als Schwarzenberger
1290 Johann und Wilhelm von Schwarzenberg teilen ihre Einkünfte unter sich auf
1300 Verleihung des Stadtrechtes
Schon bisher hatte die Stadt einen Rat, ein Gericht, ein Siegel, Gewerbekanal, ein Bad, Mühlen usw. Spätestens zu dieser Zeit erhält die Stadt eine Umwehrung (Stadtmauer)
1508 Balthasar Merklin wird Propst des St. Margarethenstifts
1564 Erzherzog Ferdinand II. erhält Tirol und die „schwäbischen Vorlande“
1567 Erzherzog Ferdinand II. trifft am 26. Oktober in Waldkirch ein. Am nächsten Morgen reist er zum Landtag nach Freiburg weiter.
Er kauft die Herrschaft von Schwarzenberg.
Neubau des Waldkircher Rathauses
1573 Die alte Metzig auf dem Marktplatz wird abgerissen
1583 Der Erzherzog führt in den Vorlanden den Gregorianischen Kalender ein
1588 Neues Stadtrecht der Stadt Waldkirch
2018 1.100 Jahre Klostergründung – Aus diesem Anlass ist Waldkirch 2018 Ausrichter der Heimattage Baden-Württemberg.
Einer der Höhepunkte ist das 9. Historische Marktplatzfest vom 27.-29. Juli.

 

Tipp: Erinnerung an den Einzug vor 450 Jahren in der ehemaligen Propstei Bericht Erinnerung an Einzug vor 450 Jahren