Foto: Hubert Bleyer

Waldkirch (hbl), 19.11.2017
Fotos: Hubert Bleyer

Erinnerung an den Einzug vor 450 Jahren in der ehemaligen Propstei – Erzherzog will zum Historischen Marktplatzfest 2018 wiederkommen

Aufregung zur abendlich siebten und einer halben Stunde vor dem Elztalmuseum, dem früheren Propsteigebäude. Der Vorsteher des Chorherrenstifts, Propst Adrian Mantz und die Magd warten ungeduldig auf den hohen Gast, Erzherzog Ferdinand II. Man schreibt das Jahr 1567 und die Zeit wird 450 Jahre zurückgedreht. Bei seiner Begrüßung stimmte Hubert Bleyer die zahlreichen Gäste auf das geschichtsträchtige Ereignis ein. Der Anlass war für den Fanfarenzug Schwarzenberger Herolde schließlich ein ganz Besonderer, wie ein Blick in die Geschichtsbücher verriet. Denn genau zwei Tage zuvor, am 26. Oktober 1567 jährte sich der Besuch von Erzherzog Ferdinand II. zum 450. Male. Von Innsbruck kommend machte sich der vorderösterreichische Landesherr auf den Weg zum Landtag nach Freiburg, in die „Schwanzfeder des Kaiseradlers“, wie der Breisgau damals genannt wurde. Auf seinem beschwerlichen Wege richtete er hier in Waldkirch sein landesfürstliches Hoflager ein, wo er in der Propstei übernachtete, so Bleyer in seiner geschichtlichen Einführung.
Dieses Stück Stadtgeschichte wollte der Fanfarenzug an dem historischen Ort aufleben lassen und bat die Besucher, den Landesfürsten aus Tirol mit Jubel zu empfangen, schließlich wolle man ihn nächstes Jahr zu einem anderen großen Fest einladen, dem Historischen Marktplatzfest.

Foto: Hubert Bleyer

Propst Mantz und die Magd warten

Fast alle Sitzplätze waren belegt. Trotz kühlem Abend lag eine wunderbare Stimmung und Atmosphäre in dem warm anmutenden Scheinwerferlicht vor dem ehemaligen Propsteigebäude, dem heutigen Elztalmuseum. Und schon hieß es, das „Rad der Zeit um 450 Jahre zurückdrehen: Bühne frei, Vorhang auf, das Spiel nehme seinen Lauf“.
Nach dem Buccinenspiel „Sinfonia“ von Georg Friedrich Händel marschierte der Fanfarenzug Schwarzenberger Herolde unter der Leitung von Udo Schmitz aus dem nächtlichen Dunkel ein und spielte sich mit dem „Potsdamer“, dem „Königstrompeter“ und der „Spandieratori“ warm, während die Magd (Barbara Kern) noch die Treppe der Propstei fegte. Schnell weg, „richtet lieber das Essen für den hohen Gast“, schnauzte Propst Adrian Mantz (Thomas Kern) sie an. Der Vorsteher des Chorherrenstifts suchte den Erzherzog schon vergebens auf den Marktplatz. Doch er müsse unterwegs sein und gab dem Volk Anweisungen, wie es sich beim Einzug des Erzherzoges zu verhalten habe. Zur Zeitüberbrückung spielte vorab das „s’Lumbegsindel“ auf seinen historischen Instrumenten. Die Spielleute begeisterten mit „La Marmotte“ und dem Tanz- und Trinklied „Tourdion“ aus Frankreich, erstmals vierstimmig vorgetragen, so Stefan Schmidt.

Einzug von Ferdinand II. mit dem Fanfarenzug und dem Lumbegsindel

Dann Böllerschüsse und Jubelrufe. Der Erzherzog mit Gemahlin und Gefolge schritten ein. Ferdinand II. (Manfred Floetemeyer) und seine Ehefrau (Eva Floetemeyer) nahmen auf dem roten Samtstuhl Platz, beschützt von den Üsenberger Landsknechten. Propst Adrian Mantz hieß den Gast willkommen und die Magd kredenzte ihm nach der langen Anreise ein Trunke mit einer feinen Kräutermischung.

Foto: Hubert Bleyer

Musikalisch hießen den habsburgerischen Landesherrn der Fanfarenzug und das s’ Lumbegsindel willkommen. Die historischen Spielleute spielten und sangen „Ein freies Leben führen wir“ oder „Tanz mit mir“ und hatten heitere und amüsante Weisen um den „Papst und Sultan“ mit auf Lager. Die Schwarzenberger Herolde mit ihren Fanfaren, Trommeln, ihrer schmucken Trommelpauke mit Markus Bernasconi, Standartenträger, Fahnenwerfer und Marketenderinnen boten für den Erzherzog ein tolles Bild vor der erleuchteten, ehemaligen Propstei. Sie spielten etliche Stücke und Märsche wie den Triumphmarsch aus AIDA von Giuseppe Verdi, der Ruf des Tigers und die Olymp-Husarenfanfare.

Foto: Hubert Bleyer

Dann hatten die Buccinenspieler ihren zweiten großen Auftritt. Propst Mantz stellte dem vorderösterreichischen Landesfürsten den neuen Behang vor, extra angefertigt für diesen Empfang. So zieren die 2,20 m langen Naturtoninstrumente jeweils zwei Wimpel. Der eine Wimpel ist mit dem alten Stadtwappen von Waldkirch mit den zwei Wilden Männern versehen. Der andere trägt bei einem blau-schwarzen Hintergrund das Wappen von Vorderösterreich mit zwei silbernen Greifen, die das rot-weiß-rote Wappen der Habsburger mit dem Adler halten.
Kein Wunder war der Erzherzog begeistert und erlaubte es den Buccinenbläsern, auch weiterhin die Wimpel verwenden zu dürfen. „Mein Herz ist heute hoch erfreut“, der Empfang sei etwas ganz Besonderes und winkte dem Fanfarenzug, dem Lumbegsindel und auch seinen Untertanen voller Freude zu.

Erzherzog hat sein Kommen im Heimattagejahr 2018 zugesagt

Martin Stauffer, der Vorsitzende des Fanfarenzuges Schwarzenberger Herolde, hörte es voller Stolz, denn schließlich habe sein Verein dieses Szenario ausgedacht und vorbereitet. Stauffer dankte zu allererst dem Ehrenvorsitzenden Thomas Kern für seine Idee und Inszenierung dieses geschichtsträchtigen Empfanges, seiner Ehefrau Thomas Kern und Roland Wehrle für die technische Organisation im Hintergrund.

Foto: Hubert Bleyer

Ein Dank galt natürlich den sonstigen Mitwirkenden, so dem Erzherzogsehepaar und den Üsenberger Landsknechten aus Kenzingen. Ermöglicht hat die Abendserenade auch das Elztalmuseum, das den Platz und Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat. Da blieb dem Fanfarenzugsvorsitzenden nicht anderes mehr übrig, als unter großem Beifall der Gäste zum Glühweinmost einzuladen.
Und auch der Erzherzog mit Gattin ließ sich nicht zweimal darum bitten und beantwortete dem Festausschussvorsitzenden Clemens Brucher die spannende Frage. Ja, er wird nächstes Jahr wiederkommen, wenn der Fanfarenzug und die Stadt im Zuge des Heimattagejahres zum 9. Historischen Marktplatzfest vom 27. bis 29. Juli 2018 einladen.